Pferde halten Schüler auf Trab

erschienen in "Die Glocke", 06.12.2016


   Keine Angst vor großen Tieren: Ina, Johanna und Müberra (vorne, v. l.) haben längst innige Freundschaft mit dem Fuchs-Pony „Orlow“ geschlossen. Reitlehrerin Mareike Siebert (hinten) freut sich für die Mädchen, die die Gesamtschule in Rheda-Wiedenbrück besuchen. Bild: Dick

   Rheda-Wiedenbrück (wd) - „Das Tolle ist, dass man nicht die ganze Zeit still auf einem Stuhl sitzen muss.“ Johanna schätzt es, „dass hier ständig viel Abwechslung ist“. Und Müberra ist glücklich, „dass ich hier meine Angst vor Tieren, besonders den großen, völlig abgelegt habe“.

   Währenddessen hat Ina „einfach nur Spaß“, wenn es einmal in der Woche auf den Hof Hartmann an der Rentruper Straße in St. Vit geht. Dort nehmen die drei Mädchen mit 24 anderen Schülern der siebten und achten Jahrgangsstufe an der neuen Reit- AG der Städtischen Gesamtschule Rheda-Wiedenbrück teil. Der Spaß beginnt allerdings jedes Mal mit Arbeit, wie Reitlehrerin Alina Peterburs betont. Denn zunächst gilt es, die Pferde zu putzen. Was von den Reitnovizen allerdings eher als Vergnügen denn als lästige Pflicht empfunden wird. Auch dass zunächst viel Theorie auf dem Stundenplan stand, haben die Schüler bereitwillig geschluckt. Mit der Folge, dass sie sich, seitdem die AG nach Ende der Sommerferien begonnen hat, „bereits ein großes Basiswissen erworben haben“, wie Peterburs berichtet.

Theorie und Praxis

   Zusammen mit den Reitlehrerinnen Franziska Rinne, Mareike Siebert und Barbara Schiffmann betreut sie die in Kleingruppen aufgeteilten Schüler. Nach der Theorie (Arten und Verhalten der Pferde, Fütterung, Ausrüstung der Reiter), ging es dann an erste praktische Übungen. Die reichten vom Verladen eines Pferds auf einen Anhänger über das Voltigieren in der Halle, bis es schließlich erstmals hieß: Aufsitzen in den Sattel. Das erste Fazit der vier Reitlehrerinnen lautet: „Die stellen sich alle sehr gut an.“

   Das hört besonders Christiane Kociszewska gern. Denn mit dem Angebot hatte man Neuland betreten, unterstreicht die Leiterin der Gesamtschule und freut sich, „dass das genau aufgegangen ist“. Es hatten sich gerade so viele Schüler für die Gruppe gemeldet, wie zuvor anvisiert: „Ich hätte ungern jemandem absagen müssen.“ Hubert Hartmann, Hausherr auf dem Reiterhof, schaut derweil zufrieden dem bunten Treiben zu. Festes Schuhwerk und eine strapazierfähige Hose habe wohl jeder der Teilnehmer daheim im Schrank gehabt. Zugleich betont er: „Doch hier kommt mir niemand auf ein Pferd, der nicht einen Schutzhelm trägt.“ Es fand sich ein großzügiger Sponsor, der 14 Helme für die Reit-AG stiftete. Dies ist nur ein Teil des Sponsorings, ohne das es gar nicht möglich gewesen wäre, dass der Obulus, den die Eltern pro Unterrichtseinheit zahlen (30 Doppelstunden werden es am Ende sein), lediglich vier Euro beträgt.

Berufliche Perspektiven

   „Ich habe mit dem spitzen Bleistift kalkuliert“, informiert Hartmann, der für die AG „20 Prozent des üblichen Preises angesetzt hat“. Mit im Boot sind die LVM-Versicherung und Ford Lückenotto. Angesichts einer jahrelangen Verbindung schätzt LVM-Vertreter Michael Berhorn die Arbeit auf dem Reiterhof und war gern bereit, das Vorhaben zu unterstützen. Weil seine Tochter dort das Reiten gelernt hatte, weiß auch Hans Carree sen. die Arbeit zu würdigen. „Und Schulsport zu unterstützen, ist grundsätzlich immer gut“, begründet der Geschäftsführer sein Engagement. „Natürlich haben wir bei der AG auch im Hinterkopf, dass die Teilnahme hier für den Einen oder Anderen auch ein Stück Berufsperspektive aufzeigen könnte“, sieht Schulleiterin Kociszewska bei allem Spaß an der Freud auch einen ernsten pädagogischen Hintergrund. „Vom Reitlehrer bis zum Pferdewirt bietet sich da einiges an“, ergänzt Alina Peterburs.

   Ein möglicher Anwärter auf eine solche berufliche Laufbahn mistet derweil emsig die Ställe aus, während seine Mitschülerinnen nebenan fröhlich giggelnd die Pferde putzen. „Ich mag Pferde, das habe ich wohl von meinem Vater abbekommen“, berichtet Kirill, einer von fünf Jungen unter 22 Mädchen. Der habe in seiner russischen Heimat immer beruflich mit den Vierbeinern zu tun gehabt.


Am Anfang jeder Reitstunde steht das Putzen: Wie alle jungen Teilnehmer sieht
auch Chiara im Striegeln der Pferde eher ein Vergnügen als eine lästige Pflicht.
Hier widmet sie sich dem Fuchs-Pony „Benita“.

 

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