Presse 27.11.2014 (2)

erschienen in "Die Glocke"

--- Inklusion ---
Gemeinsames Lernen an jeder Einrichtung?



Die behinderte Schülerin Nicola und Sonderpädagogin Gabriele
Golücke
arbeiten mit anderen Schülern in einer Gruppe. Bild: dpa

   Rheda-Wiedenbrück (kvs). Ist das gemeinsame Lernen eine Utopie? Die Inklusion nicht mehr als ein Traum? Das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen beziehungsweise Förderbedarf am Ende teuer bezahlte Sozialromantik? Vertreter der Bezirksregierung in Detmold reagierten während der jüngsten Sitzung des Schulausschusses offensichtlich irritiert auf die Stagnation hinsichtlich der Umsetzung der UN-Menschenrechtskonvention im Bildungsbereich in der Stadt Rheda-Wiedenbrück.

  Eigentlich, so war es vorgesehen, sollte der Ausschuss per Beschluss die Gesamtschule, das Ratsgymnasium, das Einstein-Gymnasium und die Osterrath-Realschule zum kommenden Sommer hin in „Orte des gemeinsamen Lernens“ machen. Schließlich haben Kinder mit Behinderungen oder speziellem Förderbedarf einen Rechtsanspruch darauf, an einer Regel- statt an einer Sonderschule unterrichtet zu werden. Jetzt sollten sich alle weiterführenden Einrichtungen dieser Aufgabe stellen – doch daraus wurde nichts. Die Beschlussfassung ist in den Dezember vertagt worden. Zu unausgegoren erschien der Kommunalpolitik die Sache, zu undifferenziert die finanziellen Auswirkungen. Vor allem hinsichtlich der Raumkonzepte – die sind im Gegensatz zur personellen Ausstattung und der pädagogischen Arbeit Sache der Kommune und nicht der Bezirksregierung – will man tragfähige Lösungen vorliegen haben, ehe es zu einem Beschluss kommt.

   Eine der Fragen ist, ob man alle weiterführenden Schulen zu Orten des gemeinsamen Lernens machen muss, oder ob Insellösungen ausreichen. Auch die personelle Struktur – für Kinder mit Förderbedarf müssen zusätzlich Sonderpädagogen ins Schulteam beordert werden – ist mit vielen Unklarheiten behaftet. Mit Blick auf die bisherigen Erkenntnisse „werden wir den Kindern nicht gerecht“, machte jüngst Jörg Droste vom Einstein-Gymnasium während der Ausschusssitzung seinem Ärger Luft. „Ich bin noch nicht bei der Utopie der Bezirksregierung.“


Stadt vertröstet irritierte Bezirksregierung

   Rheda-Wiedenbrück (kvs). Eltern haben einen Rechtsanspruch darauf, ihren Nachwuchs mit speziellem Förderbedarf an einer Regelschule unterrichten zu lassen – und davon machen zunehmend mehr Menschen Gebrauch. Im Zuge dieser Inklusion stehen Einrichtungen wie die Heidbrinkschule theoretisch vor dem Aus. Spätestens 2016 werden die Schülerzahlen nicht mehr ausreichend sein, um den Fortbestand als selbstständige Einrichtung weiter rechtfertigen zu können. Den Verantwortlichen läuft die Zeit davon: Auflösung oder das Finden einer anderen Organisationsstruktur – mehr bleibt ihnen nicht. Bis Mitte des kommenden Jahres verlangt die Bezirksregierung einen Beschluss. Aber schon jetzt gibt man sich dort verwundert darüber, dass es ausschließlich im Kreis Gütersloh und dort speziell in zwei Orten hinsichtlich der Zukunft von Förderschulen so schleppend vorangeht. Einer dieser beiden Orte dürfte Rheda-Wiedenbrück sein.

   Man wolle jetzt nicht etwas zerschlagen, um es möglicherweise mit erheblichen Investitionen wieder neu schaffen zu müssen, tätigte SPD-Ratsfrau Brigitte Frisch-Linnhoff einen Kommentar, den bereits in der vergangenen Woche so auch Verls Bürgermeister Paul Hermreck mit Blick auf die Martinschule in Rietberg von sich gegeben hatte. Der Schulausschuss will in Bezug auf die Heidbrinkschule zunächst das Ergebnis des vom Kreis Gütersloh in Auftrag zu gebenden Planungsgutachtens zur Neubewertung der Förderschulstandorte abwarten. Für das Anmeldeverfahren zum Schuljahr 2015/2016 sollen in enger Abstimmung mit der Schulaufsicht Zwischenlösungen erarbeitet werden.

 

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