Gesamtschüler auf den Spuren der Textilindustrie

erstellt durch die Städt. Gesamtschule Rheda-Wiedenbrück, 19.01.2017


Anna Behring vom Museum Wäschefabrik (rechts) informiert Schülerinnen (Franka Walberg, Lynn Ehrlich und Franka Niewöhner von rechts im Vordergrund) der Gesamtschule Rheda-Wiedenbrück im historischen Nähsaal über den Alltag der Näherinnen und die Arbeitsbedingungen in der Bielefelder Textilindustrie.

Der große Saal sieht aus, als wäre die Zeit stehen geblieben: Stoffballen, Knöpfe, Zuschnitte, Muster und Tischreihen voller Nähmaschinen, unter denen noch die bequemen Schuhe der Näherinnen stehen. Als wären sie ins Wochenende gegangen und kämen am Montag wieder ...

Der Kaufmann Hugo Juhl errichtete 1913 in einem Hinterhof im Bielefelder Spinnereiviertel  eine Wäschefabrik, die 1938 unter dem Druck der Judenverfolgung an die Dresdener Brüder Georg und Theodor Winkel verkauft wurde. Hier wurden Hemden, Blusen, aber vor allem Weißware genäht, die junge Frauen bis ins späte 20. Jahrhundert bis zum Zeitpunkt ihrer Heirat als Grundausstattung für den zukünftigen Haushalt angesammelt und als Braut mit in die Ehe gebracht haben. Die „Wäschefabrik Winkel“ profitierte vom Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit, während der Strukturkrise der Wäscheindustrie in den 1960er Jahren setzte jedoch der wirtschaftliche Niedergang des Unternehmens ein, das die Produktion 1981einstellte.

Heute zeigt das „Museum Wäschefabrik“ die Geschichte der Bielefelder Wäsche- und Textilindustrie. Fabrik und Unternehmervilla blieben mit ihrem gesamten Inventar nahezu unverändert. Besucher können einen Blick in die Unternehmerwohnung, die kleinen Büros, den Nähsaal, aber auch die bedrückenden Sozialräume im Keller werfen, wo sich die Arbeiterinnen im Licht einer schwachen Funzel umziehen und ihr im Henkelmann mitgebrachtes Essen im Wasserbad aufwärmen konnten.
Die Klasse 8c der Gesamtschule Rheda-Wiedenbrück besuchte das Museum im Anschluss an eine Unterrichtseinheit zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert, in der auch über die Soziale Frage und die Not der Fabrikarbeiter gesprochen wurde.

Eindrucksvoll konnten die Schüler im Nähsaal erfahren, wie anstrengend und monoton die schlecht bezahlte Arbeit ausgeführt war, bei der jede Unterhaltung im Lärm der über 60 unaufhörlich ratternden Maschinen unmöglich war.